Mein Weg und die Wiederentdeckung der Spiritualität

Ganz deutlich spüre ich, dass sich etwas in mir bei dem Begriff „Neue Spiritualität“ sträubt.

Was kann überhaupt im Universum neu sein? Ist es nicht vielmehr ein schon immer vorhandenes Wissen, von dem man uns vor allem durch die religiösen Institutionen Kirche bewusst abgeschnitten hatte und wir nun gleichsam ange­stoßen durch die äußeren Wirren nach neuen Werten suchend uns dieses verborgene Wissen wieder aneignen müssen? Klein gehalten als Sünder, der irgendwann nach dem Tod von einem gnädigen, aber doch auch strafenden Gott befreit ins Paradies gelangt, nachdem er, wenn alles gut geht, jedoch zuerst noch durch ein Fegefeuer, später als Ort der Läuterung bezeichnet, gehen muss.

Das war für mich schon immer kaum nachvollziehbar. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ein gütiger Gott so etwas verlangt oder uns gar bestraft.

Später wurde mir klar, dass jeder für das, was er tut, gerade­stehen muss, manchmal unmittelbar, manchmal etwas spä­ter, vielleicht auch in einem späteren Leben, und dass dies überhaupt nichts mit Strafe zu tun hat, sondern mit dem Naturgesetz von Säen und Ernten.

Und was ist überhaupt das Paradies? Die Bilder, die ich davon gesehen habe, unterschieden sich in keiner Weise von denen, die ich von unserer schönen Erde hatte.

Ich hatte als Kind das große Glück, einen wanderbegeisterten Vater zu haben, der von meinem jüngsten Kindesalter, jeden Sonntag eine Tagestour bei schönem Wetter im nahege­le­genen Schwarzwald mit uns (meiner Mutter und mir) machte. Er kannte sich dort aus, wie in seiner Hosentasche.

Ab meinem Alter von 8 Jahren verbrachten wir noch oben­drein die 6-wöchigen Sommerurlaube in den österreichi­schen Alpen zum Wandern.

Manchmal denke ich wieder darüber nach und es entsteht der Eindruck, dass ich bestimmt schon einmal die Erde umrundet habe. Die Blicke von den Berggipfeln, die Klammen mit ihren Was­ser­fällen und rauschenden Strudeln, die weiten Bergwie­sen mit Kühen, deren Glockentöne die Landschaft in Schwingung versetzten….

Was konnte denn noch schöner sein? War das nicht schon das Paradies? Oft lag ich auf der Wiese, träumte meinen Gedan­ken nach, folgte den Wolken. Ich brauchte kein Buch, keinen Radio, aus dem Musik plärrte. Die Landschaft erzählte genug, die Vögel, die es noch reichlich gab, machten die Musik und ich allein, das war genug.

Dem Herzen folgen, der Intuition lauschen… war das nicht schon Spiritualität?

Natürlich war dieser Begriff nicht üblich. Den ordnete man den Mystikern zu, aber nicht dem gewöhnlichen Volk, bei dem es eher Ausdruck verrückte Phantasien oder Träumer­eien waren. Oft wurde er auch mit „Spiritismus“ verwechselt.

Dazu erinnere ich mich noch an ein Erlebnis und die Inter­pretation unseres Pfarrers dazu, die mir nur Kopfschütteln bereitete.  Meine Mutter, zu der ich auch ein inniges Ver­hältnis hatte, war gestorben. Ich machte mir einige Zeit Vor­würfe, was für eine blöde Tochter ich bin, dass ich am letzten Tag ihres Lebens beim Besuch im Krankenhaus nicht erkannt hatte, wie schlecht es um sie steht.

Nach etwa 4 Wochen erschien sie mir als strahlende Gestalt im Traum und ich sagte zu ihr „Ah……, auf diesen Augenblick habe ich schon so lange gewartet“, und sie antwortete mir: „Was ist denn, es ist doch alles in Ordnung“. Und als ich auf sie zuging, verschwand sie wieder dorthin, woher sie gekom­men war. Seit dieser Zeit waren meine Zweifel wie wegge­blasen und ich erzählte diese Geschichte unserem Pfarrer. Seine Antwort war, da ist einfach ihre Psyche mit ihnen durchgegangen……

Doch tief in mir wusste ich, es war real – und ich bin mit der in mir schon immer vorhandenen spirituellen Ebene in Be­rührung gekommen, lange absichtlich ferngehalten, herunter­gespielt als Spinnerei, damit die Menschen ja nicht in ihre wirkliche Kraft kommen.

Heute kommt sie immer mehr zutage, etwa so wie man ein verborgenes Heiligtum, eine Pyramide, einen Palast entdeckt, auf die man „zufällig“ stößt, besser „gestoßen wird“ und dann plötzlich bricht sie wieder mit unerhörter Kraft hervor.

Es war an der Zeit, sie wieder zu entdecken, denn die sich immer höher windende Spirale von Konsum, falscher Ideale und Idole, eines hybriden Denkens von immer mehr, immer größer, immer höher musste enden, die wahren Antreiber des unendlichen Spiels zeigen Ihr wahres Gesicht. Außerdem hat dieses Spiel zu keiner Zeit die erwartete Befriedigung gebracht hat, weil der Kopf zum Maß aller Dinge gemacht und das Herz und die Seele immer mehr zum Schweigen gebracht wurden und vereinsamten.

Die eingeborenen Völker, verfolgt und fast ausgerottet, haben sich die Spiritualität bewahrt und weitergetragen, weil sie tief in der Natur verwurzelt blieben und sie als große Lehrmeisterin betrachteten.

Auch ich habe die Natur nie anders gesehen und erinnere mich noch gut an eine Diskussion mit meiner Mutter, die, in den 1960iger Jahren an Asthma erkrankt, Cortison ver­schrie­ben bekam. Ich sagte zu ihr: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass in der Natur einfach alles von selbst heilt, weil sie den von Gott gemachten Naturgesetzen folgt, und der Mensch muss mit Hämmern auf Symptome hauen, die nicht heilen, sondern Auf Dauer nur schaden. Da der Mensch ein Teil der Natur ist mussten auch beim Menschen Gesundheit und Krankheit den Naturgesetzen folgen, an deren Entdeckung man jedoch in der Forschung nicht interessiert war, sondern nur daran, wie man an der Krankheit des Menschen möglichst viel Geld verdienen kann.“

Damals reagierte ich intuitiv, ohne wirklich einen Ausweg aus der Misere zu kennen. Diesem begegnete ich erst Jahrzehnte später in der Germanischen Medizin.

Nichts geschieht zufällig, auch wenn es noch so scheinen mag.

Das sehen wir auch daran, dass gerade jetzt alles an die Ober­fläche drängt und bewusst, erneut erfahren und gefühlt wird. Wir dürfen unsere Göttlichkeit spüren und staunen, was alles möglich ist. Die Natur, die momentan noch unter dem Joch einiger weniger leidet, wird, sobald der satanischen Macht Einhalt geboten wurde, in kurzer Zeit wieder explodieren und sich alles zurückholen, was man ihr genommen hat.

Ebenso werden die Tiere und solche die mittlerweile ver­schwun­den sind, wiederkommen und sich ihre Reiche erneut erobern und die, die in unnatürlicher Haltung gefangen gehal­ten sind, werden befreit werden und in ihren natürlichen Lebens­raum zurückkehren.

Die Welt ist bereit dazu.

Ich weiß heute, dass ich die Offenheit für alles, das Urver­trauen und das Gespür für Wahrheit und Lüge mitgebracht habe, obwohl meine Eltern wesentlich dazu beigetragen haben, dass es nicht zugeschüttet wurde.

Trotzdem habe auch ich alles bewusst für mich neu ent­decken und erfühlen dürfen und das war ein langer, ständiger Prozess. Stück für Stück wurde ich weiter gestoßen, sobald sich Fragen aufwarfen, Zweifel laut machten.

Auch ich bin einer gut katholischen Familie aufgewachsen, doch keine mit Scheuklappen. Meine Mutter stammte zwar aus einem eher engstirnig protestantischen Milieu, wo es noch als Verrat am eigenen Glauben betrachtet wurde, dass sie einen katholischen Mann geheiratet hatte.

Darüber hinaus war es (1947) auch noch Bedingung, dass sie bei der Heirat versprechen musste, die kommenden Kinder katholisch zu erziehen.

Obwohl mein Vater ein offener, großzügiger Mensch war, der meiner Mutter die Freiheit ließ, so zu sein, wie sie wollte, näherte sich meine Mutter doch mit den Jahren an meinen Vater an, bis sie, als ich 14 Jahre alt war, aus freiem Willen, wie sie immer betonte, zum katholischen Glauben konvertier­te. Aus manchen Gesprächen mit anderen weiß ich, dass die Konvertiten „120%-ige Katholiken“ waren, und so glaubte sie fest daran, wenn wir Christus nachfolgen wollen, wir auch ein Kreuz (=Krankheit) zu tragen haben. Dem konnte ich eben­falls nicht folgen.

Trotz dieser religiösen Gefangenschaft mit all den Ritualen verkörperte auch meine Mutter mit ihrem unerschütterlichen Glauben und Vertrauen in Gott, dass unser Leben von ihm gelenkt und geleitet wird und man sich keinerlei Sorgen um die Zukunft machen brauchte, das, was ich auch als Spirituali­tät bezeichnen würde.

Natürlich machte ich als Einzelkind auch das ganze katho­lische Programm mit. Nichts in mir rebellierte zur damaligen Zeit, denn mein Verhältnis zu meinen Eltern war geprägt von so großem Vertrauen, das ich (noch) nicht in Frage stellte. Nur die Beichte kam mir seltsam vor, was sollte ich denn sagen, dass ich unachtsam war beim Gebet oder meinen Eltern nicht gefolgt habe????

So erwarb ich gleichzeitig mit meinem Studienabschluss zum Lehramt an der Hochschule die Missio, d.h. die Erlaubnis Religionsunterricht zu erteilen, und engagierte mich nach meiner Heirat und der Geburt von 3 Kindern in unserer Pfarrgemeinde und im Dekanatsrat unserer Stadt.

Natürlich sollten auch meine Kinder eine religiöse Heimat finden.

Zu keiner Zeit empfand ich damals mein Engagement in der Kirche und die Vorbildfunktion, die ich für meine Kinder verkörpern wollte, als Belastung oder als Joch, denn ich war völlig überzeugt davon, dass das, was ich vorlebte, für mich stimmig war und es stand (noch) außer Frage, es anders zu machen.

Vielleicht würde jetzt der ein oder andere „überzeugt“ sein, als „festgefahren“ interpretieren, für mich war es aber immer die Übereinstimmung von Herz und Verstand und daher weiß ich auch heute, dass diese Zeit für mich so sein musste, denn sonst wäre ich heute nicht da, wo ich bin.

Allerdings wunderte ich mich immer wieder und immer öfter, dass viele von denen, die jeden Sonntag in die Kirche „rannten“, in ihrem Alltag so wenig Vertrauen in die Führung Gottes hatten und glaubten, bei allen Problemen selbst nachhelfen zu müssen. Glaubten sie, Gott wisse nicht, was in dieser oder jener Situation für uns notwendig ist?

Natürlich hat jeder erlebt, dass nicht alles in Erfüllung geht, was wir uns vorstellen und das ist gut so.

Ich hatte das jedenfalls das tiefe (Ur)Vertrauen, dass zu jeder Zeit alles richtig ist, wie es ist und irgendwann begann es langsam in mir zu rumoren. Weshalb gelingt es Menschen nicht, dieses Vertrauen aufzubauen? Eigentlich einfach, weil keiner ihnen sagt, wie man das macht. Wenn Krankheit oder Schicksalsschläge immer noch als Sühne für falsches Ver­hal­ten im Leben aufgefasst werden, kann kein Vertrauen ent­stehen.

Für mich gehört zum Vertrauen auch unabdingbar das „Loslassen“. Loslassen heißt nicht, wie oft fehlinterpretiert, „vergessen“, sondern ich kann es gehen lassen, ohne dass es mir noch mich aufregt oder ärgert. Auch das will entdeckt und gelernt sein. 

Das lehrt uns auch die Germanische Medizin, nämlich mit Konflikten umzugehen, sie aufzudecken, zu lösen und loszu­lassen. Wenn wir das nicht lernen, entsteht Krankheit.

In meinem Gottesverständnis konnte manches nicht so sein, wie es uns aus der Bibel interpretiert wurde. Es gäbe dafür zahlreiche Beispiele. Doch als vielleicht hervorstechendstes war für mich die „Jungfrauen Geburt Mariä“.

Ich wusste im Herzen, dass Gott als Schöpfer aller Dinge allwissend und allmächtig ist und alles bewirken könnte. Doch weshalb sollte Er, der alles erschaffen hat und „sah, dass es gut war“, wie es in der Bibel heißt, seine eigenen Gesetz­mäßig­keiten in diesem Fall von Entstehung neuen Lebens außer Kraft setzen? Wozu? Als Beweis seiner Göttlichkeit? Gott braucht sich nicht zu beweisen.

Jesus sagte einmal sinngemäß: „Ich könnte noch so viele Wunder wirken, die Menschen würden es trotzdem nicht glauben.“

Entweder man fühlt die Wahrheit mit dem Herzen oder eben nicht.

Dazu der oft zitierte Satz des Kleinen Prinzen: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen un­sicht­bar“. Doch habe ich mich oft gefragt, wer hat diesen Satz wirklich verstanden?

Wer nicht mit dem Herzen sieht oder hört, kann nicht fühlen, ob etwas stimmt, lässt sich vom Kopf, dem Ego, leiten und wird letztendlich in Zeiten wie diese von der Angst dominiert, weil er sich von der Quelle allen Seins und des Lebens völlig hat abschneiden lassen und damit in einer Opferrolle ver­harrt, abhängig von Ereignissen oder Personen, die helfen.

Das Wesen unserer wiederentdeckten Spiritualität ist meiner Meinung nach jedoch die Erkenntnis unseres Schöpfer­be­wusst­seins, mit dem unsere Opferrolle ein für alle Mal endet, wenn wir es zulassen. Damit übernehmen wir gleichzeitig die volle Verantwortung für unser Leben und das ist der einzige Weg, der in die Freiheit führt.

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