«Aha, Glühpopöchen!»

Eine Kinderfabel von Katze und Maus

Der eckige Kasten wurde den Berg hinuntergestoßen, damit er endlich zum Rollen kam. Unten angekommen war er kaputt und endlich rund. Gut oder weniger gut? Keiner weiß es …

Unten warteten viele Menschen, die unbedingt wissen wollten, was sich in ihm befand. Die Kiste prallte gegen auf den staubigen Asphalt gegen einen Felsen und splitterte auf. Alle zuckten zusammen und unzählige Augenpaare richteten sich auf die kaputte Kiste, um endlich zu erfahren, was sie beinhaltete …

… Eine graue, wabbelige Dunkelheit entschwand wie eine Welle in den hellblauen Sommertag in den Himmel und es blieb … eine große schwarze Leere, die aber viel klarer wirkte … Nichts war zu sehen, nur gähnende Leere, und es roch etwas modrig …
Die Menschen guckten enttäuscht, ein raunendes Flüstern entstand und ein großes Seufzen ging durch die Reihen … Achselzuckend gingen sie langsam wieder ihres Weges. Die Holzkiste blieb zertrümmert liegen und keiner kümmerte sich mehr um sie, da sie für die anderen Menschen nicht von Nutzen war und auch nichts Wertvolles enthielt.

Eine Maus war auf der Flucht vor einer Katze, sie rannte zickzack den Waldweg entlang, versuchte sich in den Büschen zu verstecken und zu erholen. Sie atmete schwer und schwitzte. Sie guckte nach hinten, um die Entfernung erneut einzuschätzen, wieviel Abstand ihr noch blieb. Sie rannte wieder los und rannte und rannte, bis sie sich plötzlich in einem dunklen Raum befand, in dem es
überhaupt kein Weiterkommen mehr gab, da die Holzwände sie am freien Lauf hinderten. Sie prallte mit dem Kopf gegen die unsichtbare Barriere und wurde fast wieder durch die Öffnung zurück geschleudert in die Freiheit, der sie wegen der Katze entkommen wollte.

Benommen blieb sie liegen, hörte und fühlte das sich nähernde Bodeneben und wie die Katze im Eilestempo nichtsahnend und gierig vorbei eilte. „Nicht bewegen und im Dunkeln hier verharren, bis die Gefahr gebannt ist!“, dachte sie sich. Ihr Magen knurrte und sie hätte alles für ein Stückchen Käse gegeben. Sie fing schon einmal an den Wänden der Holzkiste an zu nagen, um sich vom
Hunger abzulenken und ihren Körper zu beruhigen. Stopp! Sie fühlte sich ganz schwach; sie musste sich erst einmal erholen und dämmerte nun vor sich hin. Die Maus dachte an ihre Familie zurück, die immer bis zum Umkippen hart auf dem Feld arbeiten musste, um überleben zu können. Jetzt sind auch noch alle krank und sie sammelte für alle zusammen die verwertbaren Krumen – auf der
Müllhalde nahe einer Gaststätte – für eine kräftigende Mahlzeit zusammen. Sie konnte ihre „Beute“ gerade noch ihrer Familie und Freunden übergeben, bevor die Katze sie entdeckte und fressen wollte.

Auf einmal Schritte, lautes Kinderlachen und Stimmen näherten sich, ein Rascheln und plötzlich fiel ein klitzekleines Käsestückchen zwischen die Holzritzen der Kiste vor ihre Füße. Sie traute ihren Augen nicht. Hastig stürzte sie sich darauf und kaute genüsslich darauf. Die Kiste erbebte kurz, da ein Stein sie streifte und die Kinderschritte entfernten sich wieder. Es wurde langsam dunkel und von der Katze weit und breit immer noch keine Spur. Gott sei Dank!

Plötzlich hörte sie ein Flattern und drei runde, schwarze, Schatten, die flatternd in der Luft verweilten, erschienen in der demolierten Kistenöffnung. Wer ist das denn ?

Wie auf Knopfdruck erstrahlen drei helle Lichtbahnen, alles wurde im inneren wie durch einen Taschenlampenstrahl erleuchtet. Die Maus wurde sehr geblendet und sie legte schützend die Pfoten vor die Augen.

„ Wer ist da? Sofort das Licht aus machen!“, rief sie.

„Ach so….. eine Maus! Keine Angst, wir wollten nur schauen, wer sich hier in dieser Kiste niedergelassen hat. Warum so ängstlich? Wir sind die Geister des Waldes, die drei Glühpopöchen“. Die Maus runzelt die Stirn „Glühpopöchen“? „Ich kenne Glühwürmchen, aber keine Glühpopöchen“ erwiderte sie irritiert. „Wir haben uns an unser Wesen erinnert und unbenannt, da eigentlich nur unser Hinterteil leuchtet. Das entspricht am ehesten unseren Namen und unserer Funktion. Was machst Du hier? Können wir Dir helfen? Vielleicht den Weg leuchten?“ fragten die drei Glühpopöchen, bereit zu helfen.

„Ich sammelte Nahrung für meine Familie und Freunde, dann musste mich vor einer Katze verstecken, die urplötzlich auftauchte und mich fressen wollte. Aber ja, vielleicht könnt ihr mir wirklich helfen. Ich bin am Verhungern! Leuchtet doch mal bitte hier um mich herum, vielleicht gibt es ja doch noch einige vergessene Käsebröckelchen, die ich essen könnte. Ihr könnt auch gern etwas
davon abbekommen.“
„Nein, nein… wir nehmen generell keinerlei Nahrung zu unseren Lebzeiten auf. Natürlich versuchen wir Dir trotzdem zu helfen. Kommt alle zusammen… 1, 2, 3 und los geht´s ..!!!!
Ein wildes, zuckendes Drumherum-Geleuchte begann in der zertrümmerten Holzkiste.
Minutenlanges Schweigen, plötzlich ein Aufschrei: „Was ist das denn??? Kann man das essen? Aber nein, dass ist ja ein Kopf, ist hier jemand begraben?“
Sie zogen gemeinsam an einem Zipfel des gefundenen Papierstücks, bis es ausgebreitet auf dem Boden lag. Keiner wusste etwas damit anzufangen und letztlich rollte sich die Maus erschöpft darin ein, um die Nacht, wenigstens warm und ausgeruht, zu überstehen. Auch die Glühpopöchen legten sich zur Ruhe.

In der Nacht hatte die Maus einen abgehobenen Traum, den sie für absolut irre hielt, als sie aufwachte. Er ließ sie aber nicht los und sie wagte den Versuch, der sie wie magisch anzog. Also rollte sie das 21 x 25 mm große Papier zusammen, band es sich, mithilfe der Glühpopöchen, auf den Rücken und lief verdeckt im Unterholz in das nächste Dorf zu einem Philatelisten. Er kaufte ihr mit
Kusshand die «Blaue Mauritius» für ganz viel Geld ab und die Maus kehrte mit einem – gerade noch ziehbaren Käse-Karren – zu ihrer Familie und Freunden zurück. Diese freuten sich sehr…

Doch plötzlich erschien wieder – diesmal jedoch eine viel kleinere Katze – und alle bewarfen sie sie mit Käsebrocken, bis sie endlich wieder verschwand. Dann stürzten sich sich über die Delikatesse. „Morgen geht es weiter…. Morgen lassen wir uns etwas anderes einfallen, um uns gegen die Katze zu schützen“, dachte sie sich und schlief satt und glücklich und zufrieden ein….

The End

3 Gedanken zu „«Aha, Glühpopöchen!»“

  1. Liebe Anne,
    so eine tolle Geschichte. Beim lesen beginnt das Kopfkino. Die Geschichte gefällt mir sehr gut und besonders deine Wortwahl. Das Kind in mir möchte sehr gerne noch mehr Geschichten von dir lesen. Das sollte unbedingt ein Buch werden. Die Kinder werden es lieben.

    Vielen lieben Dank für diese Inspiration der Glühpopöchen. Spitze(H)

    1. Liebe Ingrid, vielen Dank für Deine Rückmeldung ! Es freut mich sehr, dass sie Dir gefallen hat und Du etwas damit anfangen konntest. Ich hätte ja nie gedacht, dass es so eine Resonanz geben würde. Mir ist das einfach so eingefallen, sprich: der eine Satz hat den anderen ergeben und plötzlich war die Geschichte rund.

      Ich hoffe auch inständig, dass noch mehr solcher Geschichten folgen. Also, darf ich gar nicht darüber nachdenken:-))) Dann wird es bestimmt etwas.;-)

  2. Liebe Anne!
    Genial, mehr davon bitte! Kinderfabel….. Ich liebte sie als Kind und bemerke jetzt, dass sich daran nichts geändert hat….! Gutes Gelingen weiterhin!

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